Zurück zu Menschen in Not

Ragna und Moritz: Lebensmittelretter, Müllveredler und Zeitbewahrer

28.03.2014 | Andrea Uhrig

Ragna und Moritz retten Lebensmittel und Müll. Egal ob angeschrumpelter Apfel oder ausrangiertes Regal: Was andere als Abfall ansehen, ist für die Münchner Müllveredler Rohstoff für Neues. Ihr Lebensentwurf unterscheidet sich grundsätzlich von dem der meisten Münchner. Das Paar macht aus den Hinterlassenschaften der Konsumgesellschaft Brauchbares, investiert dafür Zeit und verzichtet gern auf Geld. Um den Lebensstil für jeden erfahrbar und zugänglich zu machen, hat sich das Paar für die Denkfabrik beworben. Im Rahmen des immowelt-Projekts „Verändere Deine Stadt“ wollen sie unter anderem dort Workshops abhalten.

Moritz und Ragna auf  Bauwagen Alma, den sie zur Wohnstätte umgebaut haben. Foto: privat

„Panamal“ haben Moritz und Ragna ihr Projekt genannt: Der Name ist eine Kombination des Kinderbuchklassikers „Oh, wie schön ist Panama“ und der Aufforderung, selbst nicht nur von einer schönen Welt zu träumen – sondern auch daran mitzuarbeiten: „Wir wollen eine Keimzelle der Nachhaltigkeit sein, von der aus München grüner, bunter, lebendiger und nachhaltiger wird.“ Für das Paar ist Zeit der eigentliche Reichtum. Statt stundenlang in die Arbeit zu gehen und im Anschluss das verdiente Geld wieder in Neues zu investieren, beschäftigen sie sich lieber damit, alte Sachen herzurichten.

„Wir retten Lebensmittel vor dem Wegwerfen“

Um allen zu zeigen, wie schön gebraucht sein kann, bauen die beiden gerade einen alten Feuerwehranhänger zu einer „Volksküche“ um: Das Gefährt wird komplett aus Materialien wie alten Holzschultischen und Fensterläden gestaltet, die eigentlich für den Müllcontainer bestimmt waren. Als „Ronjas Räuberwagen“ soll es demnächst durch München rollen, an Bord leckeres Essen. Die Lebensmittel, aus denen die Gerichte zubereitet sind, haben ihre eigene Geschichte: Sie wurden nicht im Supermarkt gekauft, sondern von dort vor dem Müllcontainer gerettet.

„Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder die Banane eine Druckstelle hat, sind Nahrungsmittel noch lange nicht schlecht“, erklären Moritz und Ragna. Die meisten Menschen setzen „abgelaufen“ mit „nicht mehr genießbar“ gleich. Statt „mindestens haltbar bis“ wörtlich zu nehmen, landen laut einer Analyse der Uni Stuttgart 11 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll. Weit mehr als die Hälfte davon stammen aus Privathaushalten. „Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel – und für mehr Wertschätzung für unsere Lebensmittel“, sagte die damalige Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner bei der Vorstellung.

Mit viel Liebe zum Detail haben Ragna und Moritz den Bauwagen Alma in Handarbeit in eine individuelle Wohnstätte verwandelt. Foto: privat
Hier herrscht keine Bau-Atmosphäre mehr - richtig gemütlich sieht es im Inneren des Bauwagens aus. Foto: privat
Die Küche im Bauwagen: Moritz und Ragna recycelten für den Ausbau Materialien, die sonst auf dem Müll gelandet wären. Foto: privat

Trampen statt selbst Auto fahren
Moritz und Ragna setzen noch mehr Zeichen gegen die Verschwendungsmentalität: Sie recyceln auch alte Baumaterialien. Mit viel Liebe zum Detail verwandeln sie in Handarbeit alte Bauwagen in individuelle Wohnstätten, gestalten neue Lampen aus entsorgtem Emaille-Geschirr und altem Holz. Ihr Wissen wollen die zwei weitergeben, planen einen KostNix-Laden zum Tauschen, ein Repair-Café zum Herrichten von Geräten und Kurse, in denen andere lernen können, Dinge aus entsorgten Materialien herzustellen: „Wir geben ihnen einen neuen Sinn.“

„Aus alt mach neu“ zählt für die jungen Kreativen auch privat: Sie wollen in allen Lebensbereichen möglichst wenig Energie verschwenden. „Wir wollen teilen, was schon im Kreislauf ist.“ Statt selber Auto zu fahren, trampt Moritz. Er trägt Hemden, die er von seinem Opa geerbt hat und kauft Werkzeuge Second Hand. Und Ragna beherrscht die Kunst aus wiederverwendeter Wolle schicke Kleidungsstücke zu fertigen. Wenn sie etwas braucht, hilft sie auf einem Bio-Demeter-Bauernhof mit. Und falls die zwei doch mal etwas neu kaufen müssen, dann nur im Bioladen oder Second Hand.

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