Zurück zu Menschen in Not

WG mit Flüchtlingen: Integration durch „Zusammen.Leben.“

12.12.2014 | Andrea Uhrig

Die Flüchtlingszahlen steigen. In Deutschland werden immer mehr Asylanträge gestellt, im Oktober waren es fast 40 Prozent mehr als im gleichen Monat 2013. Ganz Deutschland diskutiert über Unterbringung und Integration der neuen Mitbürger – drei junge Münchnerinnen haben bereits einen konkreten Plan für deren Eingliederung: Sie wollen in einem großen Haus eine Wohngemeinschaft mit jungen Flüchtlingen und Deutschen gründen. Ihr schlichtes Motto: zusammen leben. Über die immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“ suchen sie nun das passende Objekt.

Sarah, Catrin und Lina (v.l.) wollen Flüchtlinge in Deutschland integrieren. Foto: privat
Sarah, Catrin und Lina (v.l.) wollen Flüchtlinge in Deutschland dadurch integrieren, dass sie mit den Neuankömmlingen und anderen Deutschen in einer Wohngemeinschaft zusammen leben. Foto: privat Foto: privat

Der Business-Plan, den Catrin (26), Sarah (25) und Lina (27) ausgearbeitet und bei der Stadt München vorgelegt haben, umfasst 25 Seiten. „Zusammen.Leben.“ heißt das Projekt, das die Integration junger Flüchtlinge vereinfachen soll, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Das Ziel der familiären Hausgemeinschaft erklärt Diplom-Ingenieurin Catrin Lipcan: „Wir wollen so das Ankommen im fremden Land erleichtern. In einem gemeinsamen Haushalt kann man besser Kontakte knüpfen, im täglichen Umgang lernt sich die Sprache leichter und es entwickelt sich ein gegenseitiges kulturelles Verständnis.“

Verändere Deine Stadt: Feilen am Internetauftritt. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Feilen am Internet-Auftritt: Für das Projekt haben die drei jungen Frauen auch schon einen Business-Plan aufgestellt, den sie der Stadt München vorgelegt haben. Die Verantwortlichen waren von der Idee begeistert – allerdings fehlt im Moment noch die passende Immobilie. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Verändere Deine Stadt: Sarah und Catrin von Zusammen.Leben. Foto: Nadine Hackemer
Wissen weitergeben und selbst von fremden Kulturen lernen: Sarah (25, r.) studiert Deutsch als Fremdsprache, die frisch verheiratete Catrin (26) ist Diplom-Ingenieurin absolviert gerade ein Zweitstudium als Berufsschullehrerin. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer

Die 26-jährige Catrin, die zurzeit ein zweites Studium zur Berufsschullehrerin für Metalltechnik und Mathematik absolviert, kennt die Arbeit mit jungen Flüchtlingen. Sie unterrichtet seit zwei Jahren zusätzlich junge Afghanen und gibt in ihrer Freizeit Nachhilfe. „Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten von ihnen – außer zu den Sozialpädagogen, die sie betreuen – gar keinen Kontakt zu Deutschen haben. Sie sind total isoliert.“ Die jungen Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika könnten in Deutschland zwar in Frieden leben. „Aber meist fehlt die Möglichkeit hier Freunde zu finden.“

So kam Catrin, die mit ihrem Ehemann selbst in einer WG lebte, auf die Wohnungs-Idee. Ihre Freundin Lina und die frühere Mitbewohnerin Sarah, eine Germanistik-Studentin, waren sofort von dem Integrations-Plan begeistert. Sarah, die einen pakistanischen Vater hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass eine dunkle Hautfarbe reicht, um anders behandelt zu werden: „Viele Deutsche haben starke Vorurteile – aber die wenigsten haben Kontakt zu Flüchtlingen.“

Ein kleines Stück Heimat in der Hausgemeinschaft

Das will das engagierte Trio ändern, indem es im kleinen Rahmen anfängt: Zielgruppe für das Projekt sind unbegleitete jugendliche Flüchtlinge ab 18 Jahren, die nicht mehr auf Vollbetreuung angewiesen sind und schon mindestens ein Jahr in Deutschland leben. Auf der anderen Seite junge deutsche Erwachsene, die in dem Haus leben und aktiv zur Integration beitragen möchten. „Ein Anreiz soll die günstige Miete von rund 250 Euro pro Zimmer sein“, erklärt Catrin, „das bekommen Flüchtlinge als Wohngeld. Wir Deutschen könnten je nach Einkommen auch ein bisschen mehr zahlen.“

Verändere Deine Stadt: Zusammen.Leben. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein langer Weg. Derzeit arbeiten die jungen Frauen noch an einem Internetauftritt. Er wird unter www.skate-aid.org eingebunden sein. Beide Ideengeberinnen haben ausländische Wurzeln: Catrins Familie stammt aus Rumänien, der Vater von Sarah aus Pakistan. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Verändere Deine Stadt: Zusammen.Leben und Skate Aid. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Sport kennt keine Grenzen: Der Verein Skate-aid fördert Kinder- und Jugendprojekte in Krisengebieten und sozialen Brennpunkten. Ideengeber Titus Dittmann, Unternehmer und bekannt als Vater der deutschen Skateboard-Szene, hat seine Unterstützung für „Zusammen.Kommen.“ zugesagt. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de

Die Pläne von „Zusammen.Leben.“ stehen, als Unterstützer konnten die Studentinnen bereits die HipHop-Band Blumentopf und den Verein „Skate-aid“ gewinnen. „Die Stadt München fand die Idee auch sehr gut. Im Moment müssen sich die Verantwortlichen zwar vorrangig um Erstunterkünfte kümmern – aber wir stehen in Kontakt“, erzählt Lina. Deshalb hoffen Catrin, Sarah und Lina nun auf die immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“: Auf der Online-Plattform können Vermieter Immobilien oder Räume gratis einstellen. Andererseits gibt es für in Not geratene oder sozial engagierte Menschen wie den Münchner Studentinnen die Möglichkeit ihr Wohnungsgesuch kostenfrei zu inserieren.

Am liebsten wäre den jungen Frauen ein großes Haus mit 8 bis 10 Zimmern und einer kleinen Werkstatt im S-Bahn-Bereich von München. „Uns geht es darum, den Menschen ein kleines Stück Heimat in einer Hausgemeinschaft zu geben, in der sie sich wohlfühlen. So können sie besser Fuß fassen. Wenn aus Fremden Freunde werden, haben am Ende haben alle was davon.“

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