Zurück zu Menschen in Not

Nach Zwangsräumung: Familie wohnt zu zehnt auf 80 Quadratmetern

28.01.2015 | Andrea Uhrig

Zehn Menschen auf 80 Quadratmetern: Selbst Gefängnis-Insassen haben in ihren Haftzellen mehr Platz für sich. Diverse Schicksalsschläge führten dazu, dass drei Generationen auf engem Raum in München-Freimann leben. Mutter Gabriele teilt sich ihre Vier-Zimmer-Wohnung mit sechs ihrer erwachsenen Kinder und drei Enkeln. „Es ist ein untragbarer Zustand – aber sonst wären meine Töchter mit ihren Kindern obdachlos“, sagt die siebenfache Mutter und hofft nun auf die immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“.

Verändere Deine Stadt, München: Familie in der Küche. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Jayden ist der Hahn im Korb: Neben seine Mutter Jutta (r.) kümmern sich auch die Tanten Manuela (vorne) und Melanie (25) um das Nesthäkchen. Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de

Eigentlich hatte Gabriele (57) mit ihren vier jüngsten Kindern und einem Enkel in der 80 Quadratmeter großen Wohnung im Münchner Stadtteil Freimann gewohnt. Drei Generationen in vier Zimmern, nicht gerade komfortabel, aber machbar. Die Ältesten waren längst aus dem Haus. Doch dann kamen die Schwestern Manuela (31) und  Jutta (37) mit ihren Kindern wieder zurück zu ihrer Mutter. Bei beiden waren die Beziehungen zerbrochen.

Gescheiterte Beziehungen und ein Wohnungsbrand

Besonders übel spielte das Schicksal vor allem Jutta, ihrer Ältesten, mit: Nachdem ihre Beziehung in Nürnberg zerbrochen war, lebte sie mit vier Kindern allein in Franken. Das Geld war knapp – um zu sparen, hatte sie die Haftpflichtversicherung gekündigt. Ein großer Fehler, denn nur wenig später zündelte ihre sechsjährige Tochter im Kinderzimmer. Der Großbrand zerstörte nicht nur das Hab und Gut von Juttas Familie, sondern auch die Wohnung und das ganze Mehrfamilienhaus. Die Mutter landete mit den Kindern im Obdachlosenheim. Der Vater nahm die Kleinen zu sich und bekam das Sorgerecht.

Verändere Deine Stadt, München: Jutta und ihr Sohn. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Ein Herz und eine Seele: die älteste Tochter Jutta mit Nesthäkchen Jayden (11 Monate). Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de

Jutta blieb nur ein Schuldenberg. In den folgenden Jahren hatte die Münchnerin auch nicht mehr Glück. Die nächste Beziehung zerbrach, von der Liebe blieben zwei Kinder und neue Schulden. Trauriger Höhepunkt in der Abwärtsspirale: Die Wohnungen, in denen sie und ihre Schwester Manuela als Nachbarinnen lebten, wurden zwangsgeräumt. „Wir hatten zusammen Mietschulden in Höhe von 2.300 Euro, die wir inzwischen natürlich gezahlt haben.“ Das zuständige Amt hatte aber keine Ersatzunterkunft für die Schwestern. Sie sollten mit ihren insgesamt drei Kindern im Mai vergangenen Jahres in einer Obdachlosenunterkunft unterkommen. „Das wollte ich nicht zulassen“, erklärt Mutter Gabriele.

Verändere Deine Stadt, München: Familienportrait. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Die Wohnungsnot lässt die Familie zusammenrücken: Gabriele (2.v.r.) lebt mit sechs ihrer sieben Kinder und drei Enkeln auf 80 Quadratmetern. Von links: Alexander, Melanie (mit Sohn Adrian), Jutta (mit Jayden und Ashanti), Matthias (mit Kater Attila), Gabriele und Robert. Tochter Melanie konnte beim Fototermin nicht dabei sein, sie besuchte ihre Tochter, die sie beim getrennt lebenden Vater untergebracht hat. Fotos: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Verändere Deine Stadt, München: Zu zehnt auf 80 Quadratmetern. Fotos: Petra Schramek/immowelt.de
Zehnköpfige Großfamilie unter einem Dach: Manuelas Tochter Pia taucht in dieser Grafik nicht auf, weil Manuela sie aufgrund des Platzmangels bei ihrem Vater untergebracht hat. Fotos: Petra Schramek/immowelt.de Fotos: Petra Schramek/immowelt.de

„Wir leben wie die Ölsardinen“

Verändere Deine Stadt, München: Melanie im kleinen Bad. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Melanie (25) im kleinen Bad der 80-Quadratmeter-Wohnung: Die Waschmaschine läuft im Dauerbetrieb, täglich fallen für die zehn Personen sechs Waschladungen an. Auch die 25-Jährige würde gerne ausziehen, sie wohnt mit ihrem Sohn Adrian schon immer bei der Mutter. Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de

Die beiden Schwestern Manuela und Jutta nahmen das Angebot ihrer Mutter gern an, lagerten die Möbel ein und zogen zurück nach Freimann. Ihre Tochter nahm sie aber nicht mit. Um der Neunjährigen die drangvolle Enge zu ersparen, brachte sie sie übergangsweise beim Kindsvater und dessen Eltern unter. „Wir leben hier wie die Ölsardinen mit bis zu vier Personen in einem Zimmer. Dort hat sie wenigstens Platz“, begründet die 31-Jährige den schweren Schritt der Trennung.

Um nicht im Chaos zu versinken, wird bei der Großfamilie immer sofort alles aufgeräumt. Schuhe und Kleidung hat jeder dort, wo er schläft. Die Waschmaschine läuft sechsmal am Tag, im Kühlschrank hat jeder Erwachsene ein eigenes Fach. Am Abend ziehen sich die Geschwister zurück, damit die Mutter im Wohnzimmer ihre Ruhe haben kann. Dort teilt sie sich die Couch mit einem ihrer Söhne, der nach einer Gehirn-Operation geistig eingeschränkt ist.

„Als wir zu Mama zogen, dachten wir, dass es schneller geht. Keiner von uns konnte sich vorstellen, dass dieser Zustand hier so lange dauert“, sagt Manuela. Kaum Platz, keine Rückzugsmöglichkeiten, das führt immer öfter zu Streit. „Allmählich wird es problematisch“, sagt Mutter Gabriele, „aber wir sind eine Familie und halten zusammen.“ In ihrem Job bei einem Lieferdienst, der alte Menschen mit warmem Essen versorgt, wird sie tagtäglich mit dem krassen Gegenteil konfrontiert: „Ich sehe so viele einsame Menschen. Wir haben wenigstens uns – und ich bin optimistisch, dass meine Mädchen bald was finden.“

Verändere Deine Stadt, München: Jayden und Kater Attila. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Jayden und Kater Attila sind die kleinsten Bewohner: Der ein Jahr alte Bub liebt es mit seinem Wagen durch die Wohnung zu fahren. Viel Platz hat er nicht, denn auch die Wäsche, die trocknen muss, versperrt den Weg. Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Verändere Deine Stadt, München: Gabriele mit Sohn Alexander. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Mutter Gabriele schläft nachts mit ihrem Sohn Alexander auf der Couch im Wohnzimmer: Der 24-Jährige musste sich wegen eines Gehirnabszesses schon mehreren Operationen unterziehen und ist lernbehindert. Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Verändere Deine Stadt, München: Schwestern und Jayden. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Die Schwestern Jutta und Manuela leben nach einer Zwangsräumung wieder bei ihrer Mutter – in einem Zimmer mit zwei Kindern: „Wir suchen zwei Wohnungen – oder eine große für uns und die drei Kinder gemeinsam.“ Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Verändere Deine Stadt, München: Matthias mit Kater Attila. Foto: Petra Schramek/immowelt.de
Matthias streichelt den Familien-Kater: Der 29-Jährige wohnt noch bei der Mutter, weil er sich als Fleischfachverkäufer die teuren Mieten in München nicht leisten kann. Foto: Petra Schramek/immowelt.de Foto: Petra Schramek/immowelt.de

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