Zurück zu Menschen in Not

Betrügerischer Bauunternehmer stürzte Tierschützerin Inge ins Unglück

31.03.2015 | Andrea Uhrig

Job, Geld, Selbstvertrauen – Inge hat alles verloren. Wenn sie von ihrem Leben erzählt, kommt das Wort Glück nicht vor. Seit über 20 Jahren scheint die diplomierte Dolmetscherin vom Pech verfolgt. Hochverschuldet lebt sie in einem abbruchreifen Haus, zusammen mit ihren Tieren, die sie vor dem Einschläfern gerettet hat. Die Münchnerin hofft über die immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“ ein Haus mit Garten zu finden – irgendwo im Grünen.

Inge sucht neues Zuhause. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de
Inge sucht dringend ein neues Zuhause für sich und ihre Hunde. Denn das Haus in dem die zierliche Frau lebt, ist extrem verfallen. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de

Die Decke hinter der Haustür ist schwarz von Schimmel, die Wasserleitungen sind verstopft, innen bröckelt der Putz von den Wänden: Seit fünf Jahren wohnt die Münchnerin Inge in dem baufälligen Gebäude in Schwaben. Es ist noch mit den Möbeln der verstorbenen Vorbesitzerin eingerichtet, in den Schränken lagern noch deren Habseligkeiten. „Ich lebe hier wie auf Besuch“, schildert die 62-Jährige. Sie würde gern wieder zurück in die Heimat, am liebsten in den Süden der Landeshauptstadt: „Aber mit meinen Tieren finde ich einfach kein neues Zuhause.“

Dabei war Inge selbst mal Besitzerin einer Doppelhaushälfte. Dass der Immobilienkauf ihr ganzes Leben ändern würde, hatte die diplomierte Dolmetscherin nicht gedacht, als sie 1988 den Vertrag unterschrieb. Damals war sie Mitte 30, festangestellt und führte ein Leben auf der Überholspur: Beruflich jettete sie durch die Welt, genoss fremde Kulturen und musste nicht aufs Geld schauen. „Ich hatte ein schönes Leben, gutes Essen, ich habe gut gelebt – das ist jetzt nicht mehr so“, erzählt sie ohne Bitterkeit in der Stimme.



Bauunternehmer unterschlug Hunderttausende

Das Haus war noch nicht fertig, als der Bauherr Konkurs anmeldete. Später stellte sich heraus: Von den 545.000 D-Mark, die Inge bereits an die Bank überwiesen hatte, war nur ein Viertel an die Handwerker und Firmen weitergeleitet worden. Den Rest hatte der Bauunternehmer unterschlagen. Inge stand vor einem riesigen Schuldenberg. „Zehn Jahre habe ich gekämpft und gearbeitet und versucht, alles abzubezahlen“, erinnert sich die inzwischen 62-Jährige. Doch irgendwann ging ihr die Kraft aus.

Inge und ihre Hunde. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Inge herzt Mischlingsdame Schnucki: „Meine Hunde sind diejenigen, die meinem Leben einen Sinn geben“, sagt sie. Insgesamt hat sie fünf kleine und eine große Hundedame vor der Todesspritze gerettet. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de
Inges Haus ist voller Schimmer. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Das kleine Haus, in dem Inge lebt, ist extrem baufällig: Im oberen Stockwerk fällt im bereits der Dachschräge bereits der Putz runter, die Decke im Eingangsbereich ist schwarz vor Schimmel. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de

Inge wurde krank, sie bekam Depressionen, litt unter Erinnerungslücken. „Früher konnte ich mir zweistündige Gespräche merken, das war plötzlich alles weg.“ Das Haus wurde zwangsversteigert. Über einen Bekannten lernte sie einen Mann kennen, der von seiner Frau mit fünf Kindern sitzengelassen worden war. Sieben Jahre lebte sie bei ihm in einem Haus mit riesigem Waldgrundstück. Sie gab ihren Job auf, machte den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder und fuhr nebenbei Schulbus. „Im Nachhinein betrachtet war ich für ihn einfach eine billige Haushaltshilfe.“ Einziger Lichtblick waren für Inge die Hunde und Katzen, die sie vom Tierschutzverein übernommen hatte. Sie wären sonst eingeschläfert worden.

Sie haben eine Wohnung an Inge zu vermieten? Oder kennen jemanden, der der Tierschützerin helfen könnte? Über das Raumgesuch von Inge können Sie direkt Kontakt zu ihr aufnehmen.

Tierlieber Vermieter mit Herz gesucht

Als die Beziehung in die Brüche ging, stand Inge wieder vor dem Nichts, hatte noch nicht mal mehr Möbel – aber sechs Hunde und fünf Katzen. „Deshalb war ich anfangs froh, in das Haus hier ziehen zu können. Ich dachte nicht, dass es eine Dauerlösung wird“, schildert Inge. Sie versucht, nicht aufzugeben und das Beste aus der Situation zu machen. Ihre Hoffnungen ruhen nun auf der immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“. Die zierliche Frau, die inzwischen von der Erwerbsminderungsrente lebt, sucht ein kleines Häuschen mit Garten für sich und ihre Tiere.

Inge arbeitet ehrenamtlich in einer Behinderteneinrichtung. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Bis zu viermal die Woche hilft Inge in einer Behinderteneinrichtung im Nachbarort. Die Diplom-Dolmetscherin kümmert sich ehrenamtlich um die Männer und Frauen mit Down-Syndrom. Ihr nächstes Ziel ist, die Gebärdensprache zu lernen. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de
Verändere Deine Stadt: Feuchtigkeit und Schimmel überall. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Das Haus, in dem Inge wohnt, stand jahrelang leer, bevor sie einzog. „Es war als Übergangslösung gedacht“, erklärt die Tierschützerin. Die Fassade bröckelt, bei Regen drückt das Wasser in den Keller. Überall ziehen sich kleine Risse durch die Wände, in denen sich Schimmel bildet. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de

„Die Vermieter haben ein Problem mit den Hunden – aber sie sind diejenigen, die meinem Leben einen Sinn geben“, sagt die zierliche Frau, nippt an ihrem Kaffee und fügt dann leise hinzu, „ohne sie und meine ehrenamtliche Arbeit im Behindertenheim wäre ich wohl nicht mehr hier.“ Bis zu vier Mal pro Woche hilft Inge in der Einrichtung im Nachbarort und betreut Bewohner mit Down-Syndrom. „Deren Augen strahlen, wenn ich komme. Dort habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, geliebt zu werden. Das zu spüren, ist wunderschön.“

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