Zurück zu Menschen in Not

Leben wie in der Zelle: Mutter wohnt mit zwei Teenagern seit Jahren auf 12 Quadratmetern

24.04.2015 | Andrea Uhrig

Stefania und ihr Bruder Pascal wollen keine Freunde mit nach Hause bringen. Die Teenager schämen sich, denn die Geschwister müssen mit ihrer Mutter in einer Obdachlosenunterkunft leben. Zu dritt auf 12 Quadratmetern, seit drei Jahren ohne Privatsphäre – aber trotzdem immer mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Über die immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“ sucht ihre Mutter dringend eine Wohnung im Münchner S-Bahn-Bereich.

Verändere Deine Stadt, München: Efterpi mit Tochter. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de
Sie geben die Hoffnung nicht auf: Seit 3 Jahren lebt Efterpi mit ihren beiden Kindern Stefania (15, r.) und Pascal (17) auf zwölf Quadratmetern in einer Obdachlosenunterkunft. Der 17-Jährige wollte sich nicht fotografieren lassen. Er schämt sich vor seinen Freunden, die nicht wissen, wie er wohnt. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de

Selbst wenn draußen die Sonne scheint, ist es in dem kleinen Zimmer dunkel, es ist nicht viel größer als eine Gefängniszelle. Den ganzen Tag brennt das Neonlicht, meist läuft der Fernseher. Es ist ein trostloses Leben, das Efterpi aus Griechenland mit ihren beiden Kindern führt. Nach der Trennung von ihrem Ehemann war sie mit den in München geborenen Geschwistern in ihr Heimatland gegangen. Doch bereits wenige Monate später kam die Alleinerziehende zurück nach Deutschland, stand vor dem Nichts. „Aber in Griechenland hatten wir einfach keine Zukunftsaussichten“, schildert die 48-Jährige.

Die Familie wurde in einer Obdachlosenunterkunft untergebracht, erst in einer Pension, dann in einem Containerbau in Neuperlach. Das Zimmer mit der Nummer 1008 im Erdgeschoss misst gerade einmal 12 Quadratmeter. Hier wohnen, streiten, essen, lernen drei Menschen – und hoffen auf ein besseres Leben. Es ist ein beengtes Dasein zwischen Couch und Stockbett, Schreibtisch und Schrank, alles vollgestopft mit Kochtöpfen, Schulbüchern, Kleidung, Putzutensilien. Sogar die Winterreifen müssen in dem kleinen Raum lagern, denn das Auto ist der einzige Luxus, den sich die Mutter noch gönnt.

Privatsphäre gibt es nicht

„Ich dachte, die Unterkunft ist nur eine Übergangslösung – aber wir hausen hier seit drei Jahren so“, schildert die Mutter frustriert und fügt traurig hinzu, „wir sind fix und fertig.“ Denn Privatsphäre gibt es in dem kleinen Zimmer nicht. Der 17-jährige Sohn Pascal versucht, der Beengtheit zu entkommen, indem er fast rund um die Uhr seine Ohren mit Kopfhörern zustöpselt. „Wir haben uns immer wegen der Musik gestritten, man kann hier ja nichts machen, ohne dass der andere etwas mitbekommt“, schildert seine jüngere Schwester.

Verändere Deine Stadt, München: Familie im Zimmer. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Die Familie in ihrem Zimmer: Die Teenager schlafen im Stockbett, die Mutter auf der Couch davor. Zu schaffen machen vor allem Tochter Stefania die hygienischen Verhältnisse in dem Containerbau. Sie leidet an einem gutartigen Gehirntumor und ist besonders auf Sauberkeit angewiesen. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de

Die 15-Jährige leidet besonders unter den Zuständen in der Unterkunft, denn Stefania hat einen gutartigen Tumor im Kopf, muss regelmäßig Medikamente nehmen und ist auf Reinlichkeit angewiesen. „Aber hier ist alles immer dreckig. Selbst wenn man putzt, kurz darauf schaut es wieder genauso aus. Mama und ich weinen viel“, sagt sie.

Verändere Deine Stadt, München: Mutter und Tochter. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de
„Manchmal wünschen wir uns, dass wir einschlafen und erst wieder aufwachen, wenn wir etwas gefunden haben“, sagen Mutter und Tochter traurig. Aber sie geben die Hoffnung nicht auf. Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de Foto: Nadine Hackemer/immowelt.de

Der Mutter macht die Situation vor allem psychisch immer mehr zu schaffen. Ihren Job als Kassiererin hat sie verloren. Obwohl sie auch ins Umland ziehen würden, hat die Familie noch keine 3-Zimmer-Wohnung gefunden. Immer wieder kommen Absagen. „Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass das Amt uns unterstützen würde. Aber ich fange demnächst mit dem Busführerschein an, dann verdiene ich wieder gut“, erklärt Efterpi.

Im Moment fühle sie sich jedoch ausgeliefert und antriebslos. „Diese Situation macht mich so furchtbar traurig. Das Einzige, was ich hier machen kann, ist essen. Es ist ein Teufelskreis“, erzählt die Alleinerziehende und nimmt liebevoll ihre Tochter in den Arm. I. Ihre letzte Hoffnung ist nun der immowelt.de-Initiative „Verändere Deine Stadt“. Auf dem dazugehörigen Online-Portal können auch Vermieter kostenlos Angebote online stellen. „Manchmal wünschen wir uns, dass wir einschlafen und erst wieder aufwachen, wenn wir etwas gefunden haben.“

Verändere Deine Stadt, München: Raum. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de
Zahnbürste, Toilettenpapier und Co. stehen auf einer Kommode, in der Putzmittel und Konserven aufbewahrt werden. Die Blechschränke sind voll mit Kleidung und Bettwäsche und Geschirrtüchern (M.), oben lagern die Sommerreifen und auf dem Kühlschrank stapeln sich Töpfe und Pfannen. Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de Fotos: Nadine Hackemer/immowelt.de

Efterpi, Stefania und Pascal haben mittlerweile durch Verändere Deine Stadt eine Wohnung gefunden. Die Erfolgsgeschichte lesen Sie hier.

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