Zurück zu Menschen in Not

Terrorangst schlimmer als Heimweh: Großfamilie auf Wohnungssuche

23.12.2015 | Andrea Uhrig

Der große Bruder hat es schon geschafft: Vor zehn Jahren kam Dara Hasan (46) aus Syrien nach Bayern. Inzwischen ist er Deutscher und chauffiert die Münchner als Linien-Busfahrer durch die Stadt. Bruder Kadar wollte mit seiner Frau und den sieben Kindern eigentlich in Syrien bleiben – doch dann kam der Terror immer näher. Nach der Flucht beginnt für die Familie ein neues Leben. Das Wichtigste für den Neustart in der Ferne ist eine Wohnung – die sucht die Familie über die Immowelt-Initiative „Verändere Deine Stadt“.

Verändere Deine Stadt: München, Flüchtlingsfamilie sucht dringend neues Zuhause. Foto: Joerg Koch/immowelt.de
Familie Hasan möchte ankommen in Deutschland: Shirin (10) mit ihrem kleinen Bruder Iwan (3), Silwa (12, dahinter) mit ihrem Vater Kadar (41) und Mohamad (5), daneben sitzen die ältesten Töchter Lilaf (17, hinten), Halaz (15, Mitte) und Iwana (7) mit Mutter Jihan (rechts). Foto: Joerg Koch/immowelt.de Foto: Joerg Koch/immowelt.de

Ein großes Anwesen mit Landwirtschaft, ein gutes Einkommen und viel Platz: In der syrischen Stadt Qamishli nahe der türkischen Grenze lebte die Familie Hasan – bis der Terror einzog. „Bereits Ende 2012 besetzten Assads Truppen unseren Hof wenige Kilometer vor der Stadt“, schildert Familienvater Kadar Hasan. Die neunköpfige Familie wurde in die Innenstadt umgesiedelt. „Der Krieg war zwar nicht so extrem wie man ihn hier aus dem Fernsehen kennt, aber die Spuren sind nicht zu übersehen. Und immer wieder hörte man Explosionen. Der örtliche Flughafen ist schwer umkämpft.“

Als das Donnern der Bomben immer näher kam und die Angst vor Selbstmordattentaten immer größer wurde, fassten die Eltern schweren Herzens den Entschluss, die Heimat zu verlassen. Über das „humanitäre Aufnahmeprogramm Syrien“ vom Bundesamt für Migration stellte der ältere Bruder in München einen Antrag, um seine Verwandten nach Deutschland zu holen. Dara Hasan kam vor zehn Jahren nach München, lebte sich sehr schnell in seiner neuen Heimat ein. Nach einem Deutschkurs machte er seine Ausbildung zum Bus-, U- und Straßenbahnfahrer bei den städtischen Verkehrswerken MVG. Er ist dort festangestellt – und inzwischen auch deutscher Staatsbürger.

Diesen Weg hofft auch Kadar Hasan gehen zu können: Nach bangen Monaten der Ungewissheit, landete der 41-Jährige mit seiner Familie und vier Koffern in München. Zunächst zogen sie alle zu Dara in die Zwei-Zimmer-Wohnung. „Aber zwölf Personen auf 45 Quadratmeter – das ging leider nicht“, erzählt der Bruder und lacht, „morgens hatten wir immer einen Stau vor dem Badezimmer.“

Verändere Deine Stadt: München, Flüchtlingsfamilie sucht Wohnung. Foto: Joerg Koch/immowelt.de
Der große Bruder Dara (r.) ist für Familienvater Kadar Hasan das große Vorbild: Der kam vor zehn Jahren nach Deutschland, ist inzwischen deutscher Staatsbürger und arbeitet als Busfahrer für die städtischen Verkehrsbetriebe MVG. Foto: Joerg Koch/immowelt.de Foto: Joerg Koch/immowelt.de

So schnell wie möglich Deutsch lernen und Arbeit finden

Seit drei Monaten lebt die Familie nun in einer Münchner Obdachlosenunterkunft. Die fünf Schwestern teilen sich ein Zimmer. Iwana, mit sieben Jahren das jüngste Mädchen, schläft auf einer Matratze auf dem Boden. Die beiden Brüder Iwan (3) und Mohamad (5) schlafen bei den Eltern im Zimmer. Tagsüber sind die Kinder in der Schule und im Kindergarten, der Vater besucht einen Deutschkurs: „Ich möchte mich so schnell wie möglich verständigen können und dann arbeiten“, sagt er, während sein großer Bruder und Vorbild Dara übersetzt. Das Wichtigste für die Familie ist, jetzt eine Wohnung zu finden, um in Schule und Beruf richtig durchstarten zu können. Sie hoffen auf die Immowelt-Initiative „Verändere Deine Stadt“.

Nebenan ist es ruhig geworden: Die Schwestern haben sich in ihr Zimmer zurückgezogen und beugen sich über die Hefte. Sie wollen schnell die neue Sprache lernen, schnell Freunde finden. „Ich vermisse Syrien ein bisschen“, sagt die älteste Tochter Lifal (17) und schluckt ihr Heimweh regelrecht weg, während sie hinzufügt: „Aber hier müssen wir keine Angst haben. Wir können immer in die Schule gehen, es gibt immer Strom und Wasser. Und deshalb ist es gut, dass wir jetzt hier sind.“  

Verändere Deine Stadt: München, Flüchtlingsfamilie. Mädchen machen Hausaufgaben. Foto: Joerg Koch/immowelt.de
Hausaufgabenzeit bei den Mädchen: In der Obdachlosenunterkunft lernen, spielen und schlafen die Schwestern Iwana (7, mit dem kleinen Bruder Iwan) und Shirin (10, vorne r.) zusammen mit den „Großen“ Halaz (15), Silwa (12) und Lilaf (17, hinten v.l.) in einem Zimmer. Die Brüder Iwan (3) und Mohamad (5) schlafen bei den Eltern. Foto: Joerg Koch/immowelt.de Foto: Joerg Koch/immowelt.de

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