Zurück zu Menschen in Not

Plötzlich Großfamilie: wenn Privatsphäre zum Fremdwort wird

26.02.2016 | Andrea Uhrig

Eine neue Liebe für Mama – und plötzlich hatten die zuvor alleinerziehende Alicia (41) und ihr Sohn Benicio (6) eine Großfamilie: Die Münchnerin und baldiger Ehemann Ulf (39) leben mit insgesamt sieben Kindern in einer Drei-Zimmer-Wohnung in München-Untergiesing. Über die Immowelt-Initiative „Verändere Deine Stadt“ versucht das Paar, einen Vermieter zu finden. Am Budget des Wirtschaftsingenieurs von 2.500 Euro sollte es nicht scheitern.

Verändere Deine Stadt, München, Großfamilie, Foto: Joerg Koch / Immowelt
Plötzlich Großfamilie: Die alleinerziehende Alicia und hatte den sechsfachen Single-Vater Ulf (Mitte) im Sommer kennengelernt. Von links: Benicio (6), Ben (8), Emily (12), Toni, Lea (14, rechts) hat Nesthäkchen Leni (6) auf dem Schoß. Der neunjährige Luis fehlt – er war beim Fußballtraining. Foto: Joerg Koch / Immowelt Foto: Joerg Koch / Immowelt

Statt einer Fernsehcouch stehen im ehemaligen Wohnzimmer von Ulf ein überdimensionales Stock- und ein normales Kinderbett. Auf dem Boden lassen Luis (9), Ben (8), Toni (6) und Benicio (6) gerade ein ferngesteuertes Auto sausen. An der Wand lehnen ein paar Schulranzen und in den mit Namen beschrifteten Regalen stapeln sich feinsäuberlich Schuhe, Bücher, Spiele – für jedes Kind eine Reihe. Gegenüber in der Küche deckt Lea (14) mit Nesthäkchen Leni (6) den Tisch. Stiefmama Alicia bereitet das Abendessen vor, während Papa Ulf gerade Sohn Luis (9) zum Fußballtraining bringt und Tochter Emily (12) abholt.

Verändere Deine Stadt, München, Großfamilie, Foto: Joerg Koch / Immowelt
Lustige Deko für die Schlafzimmertür der Eltern: Die bunten „Bitte nicht stören“-Schilder aus unterschiedlichsten Hotels hat Vater Ulf von seinen vielen Dienstreisen mitgebracht. Doch wenn Kids loslegen, wird es zwangsläufig manchmal lauter. Da müssen Alicia (links) und die älteste Tochter Lea (14) schon mal einschreiten. Foto: Joerg Koch / Immowelt Foto: Joerg Koch / Immowelt

Ursprünglich hatte Ulf nach der Trennung von seiner ehemaligen Lebensgefährtin 2010 alleine in der 85-Quadratmeter-Wohnung gelebt. Seine drei Mädchen und drei Buben waren werktags bei der Mutter, kamen an den Wochenenden zu ihm und verbrachten die Ferien mit ihrem Papa. Im Sommer lernte er Alicia kennen. Der alleinerziehenden Fotografin und dem erfolgreichen Wirtschaftsingenieur war schnell klar, dass sie sich gesucht und gefunden hatten: „Es hat gleich gefunkt“, sagt Ulf und lächelt Alicia an. Wenige Wochen nach dem Kennenlernen zog die 41-Jährige mit ihrem Sohn Benicio (6) zu ihm, bald schmiedeten sie Heiratspläne.

Wer der Großfamilie helfen möchte – hier geht es zu ihrem Raumgesuch.

Zu neunt in drei Zimmern: Räumliche Enge strapaziert Nerven

Im Dezember wurde es dann plötzlich eng: Aus gesundheitlichen Gründen konnte sich die Mutter der sechs Geschwister nicht mehr um die Kinder kümmern. Spontan nahm Ulf alle zu sich. Von einem Tag auf den anderen mussten sich nun neun Menschen drei Zimmer, eine Küche, ein Bad teilen. Privatsphäre wurde zum Fremdwort. Dass Ulf die gläserne Schlafzimmertür mit „Bitte nicht stören“-Schildern pflasterte, die er von seinen zahlreichen Dienstreisen aus Hotels mitgebracht hat, ist eher Dekoration. „Es gibt keinen Rückzugsort, das geht langsam an die Substanz“, schildert Alicia und Tochter Lea stöhnt: „Noch nicht mal auf dem Klo hat man seine Ruhe.“

Verändere Deine Stadt, München, Großfamilie, Foto: Joerg Koch / Immowelt
Der selbstgebastelte Kalender an der Wand verrät, wer wann Geburtstag hat – aber es gibt tagtäglich viel mehr Termine zu managen, denn bei Ulf und Alicia geht alles mal neun. Um den Überblick über Elternabende, Arzttermine und diverse Sportunternehmungen zu haben, hat Alicia alles in ihrem Handy eingetragen – jedes Kind hat eine andere Farbe. Foto: Joerg Koch / Immowelt Foto: Joerg Koch / Immowelt

Seit drei Monaten suchen Ulf und Alicia nun schon eine Fünf- bis Sechs-Zimmer-Wohnung in Giesing, Haidhausen oder Au. „Wir würden so gerne hier in der Gegend bleiben. Die Kinder haben so viel durchgemacht, wir wollen sie nicht nochmal verpflanzen und ihnen einen Schulwechsel zumuten“, erklärt Ulf, der aufgrund seines Jobs bei einem japanischen IT-Riesen recht gut verdient. Doch selbst mit einem Budget von 2.500 Euro sind die Angebote rar. „Wenn es mal was gibt, dann winken die Vermieter meist gleich ab, wenn sie hören, dass wir sieben Kinder haben.“

Verändere Deine Stadt, München, Großfamilie, Foto: Joerg Koch / Immowelt
Langweilig wird es in der Patchwork-Familie nie: Benicio (6, links) hat mit den gleichaltrigen Zwillingen Leni und Toni (rechts) und Bruder Ben (8, Mitte) immer einen Spielgefährten zuhause. Drei der Kleinen teilen sich den unteren Teil des überdimensionalen Stockbetts. Rückzugsorte gibt es in der Großfamilie nicht. Dass es im kleinen Badezimmer keinen Streit um Waschbecken, Dusche oder der einzigen Toilette gibt, ist allmorgendlich eine Herausforderung. Foto: Joerg Koch / Immowelt Foto: Joerg Koch / Immowelt

Das Wichtigste ist der Patchwork-Familie die gemütliche Wohnküche. Sie ersetzt das ehemalige Wohnzimmer. Unter der Panorama-Aufnahme des alten Stadions von 1860 München in Giesing wird hier nicht nur gegessen, hier werden Hausaufgaben gemacht, Probleme gelöst, Tränen getrocknet und Urlaubspläne geschmiedet. Im Sommer geht es nach der Hochzeit mit einem gemieteten Kleinbus nach Kroatien. „Eigentlich läuft alles super“, sagt Ulf, „aber ein bisschen mehr Platz wäre schon sehr wichtig.“

Wer der Großfamilie helfen möchte – hier geht es zu ihrem Raumgesuch.

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