Zurück zu Menschen in Not

Verzweifelte Wohnungssuche in München: „Mama, sind wir bald obdachlos?“

27.02.2017 | Andrea Uhrig

Das Leben von Paul (12) ist bereits in Umzugskisten verstaut. Nächsten Monat muss die Wohnung, in der der Teenager mit seiner Mutter in München-Maxvorstadt lebt, geräumt sein. Das Haus wird saniert. Weil sie vom neuen Besitzer eine Abfindung annahm, könnte die Krankenschwester die Miete für über ein Jahr im Voraus zahlen. Doch die Alleinerziehende findet einfach nichts – ihr droht die Obdachlosigkeit. Die letzte Hoffnung der kleinen Familie ist die soziale Immowelt-Initiative „Verändere Deine Stadt“.

Verändere Deine Stadt, München, Foto: Joerg Koch/Immowelt
Obwohl sie die Miete für ein Jahr im Voraus zahlen würden, finden Paul und Bozena keine Wohnung im MVV-Gebiet. Foto: Joerg Koch/Immowelt

Die Angst vor der ungewissen Zukunft nagt an Mutter und Sohn: „Mama, sind wir bald obdachlos?“, fragt der Zwölfjährige unsicher und schaut auf die Boxen mit Legosteinen, Klamotten und Jugendbüchern. Bozena weiß im Moment keine Antwort, nur eins: Ende März muss sie aus ihrer Drei-Zimmer-Wohnung im Münchner Stadtteil Maxvorstadt ausziehen. Das Mehrfamilienhaus, in dem die Krankenschwester mit ihren beiden Söhnen gelebt hat, wird nach dem Verkauf an einen Investor saniert.

„Wir haben Ende November 2015 erfahren, dass das Haus verkauft worden ist und wir raus sollen“, erzählt Bozena. Für die 48-jährige Münchnerin der Höhepunkt eines Horrorjahres: Das Seniorenheim, in dem die auf Sterbebegleitung spezialisierte Krankenschwester die Palliativstation führte, hatte Insolvenz angemeldet. Dann starb ihre Mutter und in der Nacht darauf wurde ihr ältester Sohn im Englischen Garten fast totgeprügelt. „Zu allem Überfluss habe ich mir bei einem Sturz das Sprunggelenk zertrümmert und hatte zwei Bandscheibenvorfälle.“  

Verändere Deine Stadt, München, Foto: Joerg Koch/Immowelt
Die Kisten sind bereits gepackt, die Alleinerziehende könnte jederzeit ausziehen – doch die Krankenschwester findet keine andere Wohnung. Das Hinterhaus, in dem Bozena mit ihrem Sohn in der Maxvorstadt wohnt, soll luxussaniert werden und ist bereits größtenteils verlassen. Foto: Joerg Koch/Immowelt

Helferin braucht selbst Hilfe

Eine Erfahrung, die Bozena jetzt durchmacht, obwohl sie sich durch Arbeitslosenversicherung, Rücklagen und Kindergeld eine Miete von rund 1.000 Euro leisten könnte. Außerdem ist sie nach einer gerade abgeschlossenen Zusatzausbildung als psychologische Beraterin optimistisch, bald wieder eine Vollzeitstelle antreten zu können. Wenigstens fand der älteste Sohn Kilian (18), der bis vor Kurzem noch zuhause wohnte, für die Zeit seiner Ausbildung einen Platz in einer Wohngemeinschaft. Für Paul und seine Mutter aber wird die Zeit allmählich knapp. „Ich denke immer positiv und weiß, wie viel Power ich habe und was ich auf die Beine stellen kann“, sagt Bozena, die ihr Leben der Hilfe der Schwachen gewidmet hat, „aber dieses Mal brauche ich einfach Hilfe – es muss doch jemanden geben, der uns eine Wohnung vermietet. Wir könnten sofort umziehen.“ 

Verändere Deine Stadt, München, Foto: Joerg Koch/Immowelt
Das Treppenhaus ist verwaist. Fast alle Mieter des Mehrfamilienhauses haben ihre Wohnungen schon verlassen. Die gebürtige Polin Bozena – sie lebte seit 2001 mit ihrem inzwischen geschiedenen Münchner Mann und den beiden Söhnen dort – hat die Eingangstüre mit Erinnerungen beklebt. Fotos: Joerg Koch/Immowelt

Mieterverein rät bei Abfindungen zur Vorsicht

Während die meisten Nachbarn bereits auszogen und ein Vorhang nach dem anderen von den Fenstern verschwand, kämpfte Bozena um ihren Job – und verlor. „Ich dachte nicht mehr, dass es noch schlimmer kommen kann“, schildert Bozena, „in dieser Situation habe ich das Angebot des neuen Eigentümers angenommen. Er bot mir eine Abfindung.“ Damit verbunden war eine Unterschrift, mit der sie bestätigte, dass sie bis 31. März auszieht. „Ich dachte, wenn ich die Miete über ein Jahr lang im Voraus zahle, ist es kein Problem, etwas Neues zu finden.“ Ein Irrglaube, dem immer wieder Mieter aufsitzen.

„Jeder sollte sich sehr genau überlegen, ob er einen Aufhebungsvertrag unterschreibt“, erklärt Volker Rastätter, Geschäftsführer des Münchner Mietervereins. Er rät, sich auf jeden Fall beraten zu lassen und mit dem neuen Eigentümer zu verhandeln. Rein theoretisch könnten Mieter auch während der Sanierung in der Wohnung bleiben. „Aber die Belastung, über Monate oder Jahre in Dreck und Lärm zu leben, ist extrem. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Mieten so hoch steigen, dass man sie nicht mehr bezahlen kann. Eine Abfindung ist aber leider auch keine Garantie, etwas zu finden.“ 

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