Zurück zu Menschen in Not

Ein kleines Stück Heimat für den Jungen aus Somalia

10.12.2015 | Andrea Uhrig

Endlich ankommen: Über 10.000 Kilometer liegen zwischen der alten und der neuen Heimat des Teenagers Ridwan aus Somalia. Es war ein weiter Weg. Dank der Immowelt-Initiative „Verändere Deine Stadt“ fand der Schüler jetzt einen Vermieter mit Herz.

Verändere Deine Stadt, Nürnberg, Ridwan, Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de
Ridwan umarmt seine Vermieterin: Dank der Nürnbergerin und ihrem Mann konnte der Teenager mit seinem Freund eine Wohngemeinschaft in Johannis gründen. Die Wohnung hat er selbst renoviert. Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de

Wenn im Nürnberger In-Viertel Johannis Wohnungen frei werden, stehen Bewerber meist Schlange. Doch eine 50-jährige Nürnbergerin und ihr Mann schlugen einen anderen Weg ein: Sie hatten über die Immowelt-Initiative „Verändere Deine Stadt“ vom Schicksal eines Teenagers erfahren, der ohne seine Eltern aus Somalia fliehen musste. Das Ehepaar beschloss, Ridwan beim Start in sein neues Leben zu helfen – und machte damit einen jungen Menschen glücklich. 

Zuvor hatte der Schüler über Monate immer nur Absagen von Vermietern bekommen. Der Grund: Günstiger Wohnraum ist in Deutschlands Metropolen mittlerweile Mangelware, schon für Menschen mit geringem Budget ist die Suche schwer. Flüchtlinge wie Ridwan, deren Miete vom Amt übernommen wird, haben kaum eine Chance. Deshalb setzte sein Betreuer Stanley Lauer vom Verein für sozialpädagogische Jugendbetreuung e.V. (vsj) alle Hoffnungen auf ein Inserat bei „Verändere Deine Stadt“. 

„Wir hatten die Möglichkeit, ihnen beim Start zu helfen“

Verändere Deine Stadt, Nürnberg, Ridwan, Ahmed, WG, Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de
Beim Verein für sozialpädagogische Jugendbetreuung (vsj) haben sich Ahmed (l.) und Ridwan kennengelernt. Die beiden Jugendlichen sind ohne Eltern in Deutschland und wurden vom vsj bis zu ihrer Volljährigkeit in einer betreuten WG auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de

So kam das Schicksal des Teenagers an die Öffentlichkeit, der vor dem Terror der Al-Shabaab-Milizen geflohen war. Die radikalen Kämpfer hatten den damals 16-Jährigen rekrutieren wollen. Doch er wollte nicht töten – und musste seine Heimat verlassen. Ein Jahr dauerte die strapaziöse Odyssee über 10.000 Kilometer, sie endete in Franken. Hier kümmerte sich der vsj um Ridwan, half ihm Fuß zu fassen. Dann wollte der inzwischen 18-Jährige mit seinem gleichaltrigen Landsmann Ahmed eine Wohngemeinschaft gründen, stieß bei Vermietern aber nur auf Ablehnung.

Eine Wohnungsbesitzerin war in den „Nürnberger Nachrichten“ von der Geschichte und den Fotos so berührt, dass sie sofort mit ihrem Mann sprach. Das Paar besitzt ein Vier-Familienhaus in Johannis. Eine Mieterin, eine verwitwete Seniorin, stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Auszug: „Die Geschichte der Jungs ging mir zu Herzen. Sie mussten ihre Familien verlassen und wagen hier einen Neuanfang. Keiner von uns kann sich vorstellen, was sie durchgemacht haben“, schildert die Nürnbergerin ihre Beweggründe, „wir hatten die Möglichkeit, ihnen beim Start zu helfen und wollten die Gelegenheit nutzen“.

Verändere Deine Stadt, Nürnberg, Ridwan, Wohnung, Fotos: Nadine Hackemer / immowelt.de
„Willkommen!“ klebt an der Eingangstür von Ridwan und Ahmed. Noch ist das alte Klingelschild nur überklebt. Um Geld zu sparen, schläft Ridwan im alten Ehebett der Vorbesitzer. Die Wände hat er selbst gestrichen. Fotos: Nadine Hackemer / immowelt.de Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de
Verändere Deine Stadt, Nürnberg, Ridwan, Küche, Fotos: Nadine Hackemer / immowelt.de
Ridwans Vermieterin, ihr Mann und deren Kinder sind ein bisschen Ersatzfamilie für ihn und seinen Mitbewohner geworden. Die Teenager waren allein aus Somalia nach Deutschland geflüchtet. Die erste eigene Wohnung ist ein riesiger Schritt in die Selbstständigkeit. Fotos: Nadine Hackemer / immowelt.de Foto: Nadine Hackemer / immowelt.de

Das Foto der Mama steht auf dem Nachttisch

Wenig später war der erste Kontakt hergestellt. Nach dem Auszug der alten Dame renovierte Ridwan mit seinen Freunden eigenhändig die Drei-Zimmer-Wohnung, verlegte Laminat und strich die Wände.  „Er hatte vorher noch nie einen Pinsel in der Hand, umso stolzer ist er auf das Ergebnis“, so die Vermieterin. Inzwischen ist die kleine 2er-WG in Johannis eröffnet. Manches wirkt noch ein wenig provisorisch, doch ein weiterer Grundstein für einen Neustart ist gelegt. 

Ridwan möchte nach der Schule gerne eine Ausbildung im Bereich Logistik machen. Auf seinem Nachttisch steht neben dem Mathebuch das Foto seiner Mutter. Sein größter Wunsch ist, sie irgendwann mal wiederzusehen. Ob das jemals möglich sein wird, weiß niemand.  Die Nürnberger Familie möchte zumindest ein bisschen Familienersatz sein. Der Sohn teilt mit Ridwan und Ahmed die Leidenschaft für Fußball, beim gemeinsamen Essen lernen sich alle immer besser kennen. Die Nürnbergerin freut sich: „Helfen kann so einfach sein.“

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